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Wie ich mal wieder den traditionellen Einzelhandel ruiniert habe
Oktober 21, 2009, 8:58 nachmittags
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Reisebüros gehören für mich in die selbe steinzeitliche Kategorie wie Telefon-Shops, Tante-Emma-Läden, Fahrkartenschalter, VHS-Kassetten, Lochkarten und Postkutschen. Wer so etwas noch benutzt ist entweder über 60 oder auf einem abgeschiedenen Dorf ohne Stromanschluss und Computer aufgewachsen.
Wer sucht sich die Informationen zu seiner Reise denn mittlerweile nicht selbst zusammen oder bucht online, wo er direkt sämtliche Angebote vergleichen kann, abgesehen von einigen telefonierfreudigen Rentnern?
Eine Dame letzterer Klasse war auch am Apparat, als ich das Reisebüro betrat. Es dauerte ca. zehn Minuten bis der geschäftige Mann die Dame abgewimmelt hatte, mir immer wieder zunickend und grimasseschneidend deutend, dass er bald fertig wäre.
“Ja, gut Frau Schneider, ich kümmere mich darum, wenn ich etwas Zeit habe. Ja, Frau Schneider, ich weiß, ich lese nach und rufe sie dann zurück. Nein, Frau Schneider, das mache ich lieber in Ruhe. Ja Frau Schneider, sagen Sie Ihrer Enkelin wir finden schon etwas Passendes.”
Ich glaube, sämtliche Bereiche des persönlichen Dienstleistungssektors umfassen mittlerweile eine umfangreiche Seniorenbetreuung. Berufe wie Metzger, Verkäufer des Einzelhandels, Fußpfleger, Frisör oder eben Reiseveranstalter sollten in absehbarer Zeit in den Ausbildungsberuf des Altenpflegers integriert werden.
Dementsprechend verwirrt war der geschäftige Mann wohl auch, mich in seinem Geschäft zu sehen.
Kaum hatte er das Telefon zurück in die Station gelegt, sprang er von seinem Schreibtisch auf und öffnete eine Schublade.
“Sie möchten sicher Briefmarken.”

“Nein. Eigentlich möchte ich meinen Gutschein einlösen.”
Der Mann schaute so traurig, dass ich kurzzeitig überlegte, ihm doch ein paar Marken abzukaufen.
“Gutschein…dann zeigen Sie mal Ihren Gutschein.”
Ich tat, wie befohlen, und fügte noch hinzu, dass ich ihn beim MVB-Wettbewerb gewonnen hatte.
Der Mann führte mich an seinen Platz und tat, als hätte er noch nie etwas davon gehört. Dabei hatte er ihn doch selbst unterschrieben. (Das erkannte ich an den Visitenkarten, die neben seinem Bildschirm standen. Und dass er sich dem UPS-Mann, der während unserer Unterhaltung hineinkam und paketweise Kataloge neben dem Schreibtisch stapelte, mit dem gleichen Namen vorstellte, der den Gutschein unterschrieben hatte.)
“Ein LUXUS(er betonte das Luxus recht stark)-Wochenende im vier 1/2 Sterne Hotel in Weimar für zwei Personen, also.”
Als der geschäftige Mann das vorlas musterte er mich so abwertend, als hätte ich soeben den Wunsch geäußert, zwei Nächte im Konzentrationslager zu buchen.
“Haben Sie sich das Hotel schon einmal angeschaut?”
Dabei drehte er den Monitor in meine Richtung. Ich wollte nicht so klingen, als wüsste ich die Großzügigkeit seines Reiseunternehmens nicht zu schätzen, und log: “Ja. Ein sehr schönes Hotel.”
“Das will ich meinen” meinte er.
Dann klickte er wahllos durch eine Bildergalerie und zeigt einen kurzen Film, in der Hoffnung, es handle sich über eine genauere Ansicht des Hotels. Der gezeigte Weihnachtsmarkt mit seinen strahlenden Lichtern und dem glitzernden Schnee schaffte eine andächtige Atmosphäre.
Zumindest interpretierte ich das so, denn der geschäftige Mann war für eine Weile ganz still.
Vielleicht wartete er auch auf eine Bemerkung meinerseits, die ich dann auch gab:
“Das war jedenfalls schon mal Weimar.”
“In der Tat. Aber ich wollte eigentlich das Hotel sehen.”
Ich verstand nicht ganz, ob er sich vielleicht gleich mit einmieten wollte, hatte ich doch zuvor bestätigt, das Hotel schon gesehen zu haben (ehrlich gesagt war mir der optische Aspekt meines gratis-Urlaubs einfach vollkommen egal).
Er gab dann aber auch bald die Suche nach Ansichtsmaterial auf und fragte nach meinem gewünschten Reisedatum, das ich glücklicherweise auch belegen konnte.
Nachdem ich meinen Namen und Anschrift hinterließ, stellte er die Frage, wie denn der Glückliche heißen würde. Ich verstand nicht ganz, lugte auf den Bildschirm (einen solchen Blick hatte ich mir bisher verkniffen, da ich es für ein moralisches Unding hielt, den Preis dieser wie mir nun schien erschnorrten Reise sehen zu müssen) und verstand, dass er den Namen meiner Reisebegleitung meinte. Als ich ihn angab, fühlte ich mich ganz schäbig. Nicht nur, dass mir der geschäftige Mann ein teures Luxus-Wochenende spendierte. Nein, das Ganze wurde nun auch noch als offensichtliche Sex-Tour deklariert, da ich die “Superior-Suite” in diesem 4-Sterne-Plus-Hotel mit männlicher Begleitung belegte.
Irgendwann neigte sich der unangenehme Aufenthalt dann aber auch dem Ende zu und der geschäftige Mann verabschiedete mich mit diesen Worten in gewohnt vorwurfsvollem Unterton:
“Unterlagen schicke ich an Ihre Adresse, Rechnung geht auf mich. Wünsche viel Spaß.”
Ich dankte überschwenglich und kam mir trotzdem schlecht und schuldig vor, wie ein undankbarer, sexgeiler Schnorrer.
Auf dem Weg zur Tür wollte ich noch einmal kehrt machen und ihm wenigstens ein paar Briefmarken abkaufen.
Glücklicherweise wurde ich davon abgehalten, da das Telefon wieder klingelte.
Ich hörte noch ein leicht genervtes “Ach, hallo nochmal Frau Schneider…” und verließ das Reisebüro mit leichtem Grinsen.



BIG NEWS
September 22, 2009, 8:41 nachmittags
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Mein Album ist endlich fertig.
Es hat einen großartigen Titel, eine großartige Tracklist und ein großartiges Coverbild (in spe).
Ich werde aber noch nichts davon veröffentlichen, bevor ich alle Rechte daran gesichert habe und jeden einzelnen Track gewatermarked habe. Hrhrhrhrhrhr!

Unsinn, jetzt fahre ich erst einmal nach Paris und bis ich wiederkomme habe ich mir überlegt, welche Songs ich letztendlich draufpacke, werde noch einmal über das Ganze drüberbürsten und es dann für vollkommen umsonst unter’s Volk bringen. Dann kann das Stück natürlich in Unmengen und rauer Vielzahl kopiert und weitergegeben werden.

Sollte ich mittendrin sterben und jemand mein Macbook finden:
Auf dem Desktop liegt ein Ordner namens “READY”, bitte kümmere sich doch jemand darum, dass der Inhalt veröffentlicht wird. Danke.

PARIS PARIS PARIS PARIS PARIS

edit: Meine Stimme lässt mich tierisch im Stich und ist jetzt schon seit zwei Wochen nicht mehr zu gebrauchen, dabei müssten nur noch zwei Lieder neu eingesungen werden. Nachdem ich von Halsschmerzen über Heiserkeit und Schnupfen alles durch hatte scheine ich jetzt auch noch Husten zu bekommen, womit ich gesanglich noch einige Zeit außer Gefecht bin. Nichtsdestrotrotz peile ich als Albumveröffentlichung den 7.11 an, aber das ist mal noch ohne Gewähr.
Außerdem aktueller Blog-Eintrag ist in Bearbeitung, aber neuer Studiengang keine Zeit blahblah…my head is swimming. (zweitschönstes Zitat, dass ich mir aus dem Englisch-Leistungskurs-Unterricht gemerkt habe, schönstes: “…but she carried her flesh sensuously as some women can.” [aus The Great Gatsby, fällt mir immer ein wenn ich dicke Mädchen mit in hautengen Stoff gequetschten Fleischmassen sehe, also eigentlich ständig.])



Bam Bam Bam
September 17, 2009, 12:16 vormittags
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Man empfehle mir bitte ein Buch.
Sollte vor allen Dingen gut geschrieben sein, also kein pathetisches Gefühls-Geschwafel, aber auch nicht im Charlotte Roche-(ohne-jeglichen-)Stil mit drei Wörtern pro Satz.
Bitte kein Science-Fiction, Fantasy- oder Mittelalter-Schrott.
Irgendwas, das halbwegs realistisch ist und in einer modernen, urbanen Gegend spielt (also nicht im Dschungel und/oder einem Dorf).
Referenzen: Trainspotting, Das Koma, The Brooklyn Follies.
Am liebsten irgendwas mit (psychisch) kaputten Leuten, Sex, Drogen und Gewalt.
Danke.

PS: Und hier noch ein Video für die mir völlig unverständliche Personengruppe der unter-30-Jährigen mit Internetanschluss, die CDU wählen




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